Probleme in Quagadougou

In Ouaga angekommen ist es die erste Priorität Travellerschecks zu tauschen. Mit dem Taxi klappern wir drei Banken ab, aber alle haben schon zu.
Bei den First Class Hotels blitzen wir ebenfalls ab, da wir keine Gäste sind.
Da wir uns aber mit Travellerschecks, Dollars und Euros versorgt haben, muss Eurobargeld getauscht werden, da wir sonst noch nicht einmal den Taxifahrer bezahlen können.
Dann erst mal weiter mit dem Taxi, Wasser kaufen und zum Hotel Dapore, aber es gibt nur Zimmer für eine Nacht. Auf der weiteren Fahrt entdecken wir das Hotel Continental (ohne Inter). Simon und ich besichtigen kurz die Zimmer und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.
Nach einer kurzer Dusche ab zum Tam-Tam. Wir sind kaputt und ich genieße kaltes Bier und alle die angenehme Atmosphäre und das Essen.
Am nächsten Morgen (Samstag) erst mal eine Bank suchen, welche Travellerschecks tauscht . Bei zwei Banken blitzen wir ab, ein Kunde bekommt unsere Verzweifelung mit und bietet sich an, mit uns eine Bank zu suchen. Er ist auch bald bei der ECO Bank erfolgreich, drängelt sich durch und zeigt uns den richtigen Schalter.


Straßenszene in Ouagadougou

Danach geht es zur Brigade Territoria, um unsere Visaangelegenheit klären zu lassen.
Ein Polizist lässt uns vor seinem Schreibtisch absitzen und kruschelt ohne uns anzuschauen in seinem etwa 30 cm hohen Kruscht auf seinem Schreibtisch. Nach einigen Minuten des Schweigens sagt er Oui zu mir und ich erkläre ihm unser Problem, welches ihn aber nicht davon abhält weiter in seiner Unordnung zu wühlen. Er erklärt mir, dass die Station eigentlich heute geschlossen ist aber manchmal der Chef vorbeikommt und überreicht uns ohne weitere Worte reichlich Formulare zum ausfüllen. Diese überreichen wir dann ausgefüllt und nach einiger Zeit meint er, jetzt braucht er noch von jedem 2 Passbilder. In weiser Voraussicht solcher Situationen habe ich von jedem von uns reichlich Passbilder mitgenommen, also Taxi und ab ins Hotel. Iris und Simon bleiben in Sichtweite unserer Pässe in der Brigade.
Nach der Rückkehr lässt er mich wieder vor sich absitzen, ich lege die Bilder auf seinen Tisch, aber er beachtet sie überhaupt nicht. Nach ca. 20 Minuten höre ich ein Räuspern aus dem Nachbarraum und frage ihn, ob meine Freunde nebenan sitzen, welches er mit einem kurzem Oui quittiert. Ich habe DU ARSCHLOCH auf den Lippen.
Simon und Iris gehen erst mal was essen und trinken und ich halte die Stellung.

Wir sind erst seit einer Woche in Afrika und haben schon so viel Positives und Negatives erlebt, ich bin gespannt, was wir noch alles erleben werden?

 

In meinen "Warteraum" kommt jemand, begrüßt mich und sieht meine Landkarte von Burkina. Er fragt, ob er diese mal anschauen dürfte. Dabei erzähle ich ihm von unserer Rundreise und er sagt mir, dass er der Informatiker der Polizeistation ist. Ich zeige großes Interesse an seinen Programmen, wo er studiert hat usw. Darauf zeigt er mir seinen Arbeitsplatz und seine Computer.
Jetzt packe ich die Gelegenheit und erzähle ihm von unserem Problem und dass wir schon vier Stunden hier sitzen. Er spricht daraufhin mit meinem "Freund" in einer Stammessprache, greift sich das Handy, ruft den Chef an und sagt mir, dass der Chef in dreißig Minuten da sei und dann alles sofort erledigt wird. Bei der Verabschiedung hole ich alle mir bekannten Höflichkeitsfloskeln aus meinem französischen Wortschatz.
Nach 40 Minuten erhalten wir unsere Visa. Die Stimmung steigt, aber mein Kreislauf liegt am Boden, erst mal schnell Wasser und feste Nahrung, Busticket für morgen besorgen und Jacques anrufen - wir kommen!
Bei einer der vielen Taxifahrten in Quaga erzählt mir der Taxifahrer, dass er aus Banfora kommt und ich erzähle ihm, dass ich dort vor vielen Jahren mal gearbeitet habe. Wir unterhalten uns über die Dörfer und Banfora selbst, es kommen "Heimatgefühle" auf.


Die politische Situation in Burkina Faso
Die Politik wird seit vielen Jahren von verschiedenen Militärmachthabern bestimmt.
1983 wurde Sankara Premierminister und wollte mit einem eigenen Entwicklungsweg das Land aus dem Elend führen. Damit machte er sich jedoch Feinde bei den herrschenden Gruppen und den Franzosen (Kolonialmacht). Sankara wurde verhaftet, aber er war bei der Jugend sehr beliebt, es folgten tagelange Demonstrationsmärsche in Ouaga. (Liberez Sankara)
Es gab einen Militärputsch und im August 1983 wurde Sankara als Präsident eingesetzt und seine Mitstreiter Compaore und Zongo Minister.
Am Jahrestag der Revolution 1984 wurde aus Obervolta das heutige Burkina Faso (Land der Unbestechlichen). Es folgte eine Zeit der "Afrikanisierung", so wurde verordnet, dass er und alle Minister nur noch einen R5 fahren dürfen.
1987 wurde Sankara gestürzt und umgebracht und in einem Sportdress auf einem Vorstadtfriedhof verscharrt. Afrika bedauerte den Verlust eines der wenigen jungen Führer neben Rawlings in Ghana und Museveni in Uganda, die eine eigenständige Zukunft verkörperten.
Sein ehemaliger Weggefährte Campaore, welcher ihn getötet haben soll, erklärte sich nach Tagen des nationalen Schocks als neuer Machthaber und ist noch heute der starke Mann Burkinas.