Nach Kumasi in Ghana

Es ist 7.00 Uhr, der große Platz wird mit einem Handbesen gekehrt und der Müll direkt verbrannt, Schweine stöbern nach etwas Fressbarem. Wir sitzen am Gare Routiere de Padva in Ouagadougou und warten auf das Einladen unserer Rucksäcke. Nach ca. 2 Stunden Warten fährt der Bus der S.T.C. ab, es geht zur zweitgrößten Stadt Ghanas, Kumasi.
Wir glauben zu wissen, dass uns eine ewige Tour bevorsteht und haben uns mit je 4 Liter Wasser, matschigem Brot und Bananen eingedeckt. Es geht auf eine gute Asphaltpiste in Richtung Süden, wir passieren die Stadt Po und es gibt wieder mehr Bäume und Grün.

An einer der vielen Polizeikontrollen wird festgestellt, dass wohl bei sechs Mitreisenden die Papiere nicht i.O. sind und sie müssen aussteigen, damit das erledigt wird. Wir warten sicherlich eine halbe Stunde im Bus und kein Fahrgast beschwert sich über den Aufenthalt!
Mir fällt auf, dass viele Busse oder ähnliche Fahrzeuge, welche uns entgegen kommen, aus Abidjan sind. Da die Grenze zwischen Burkina und der Elfenbeinküste wegen der Unruhen in der Elfenbeinküste geschlossen ist, fahren die Busse wohl jetzt über Ghana nach Burkina.
So ca. 10 km vor der Grenze zu Ghana müssen alle Fahrgäste aussteigen und ca. 5oo Meter zu Fuß gehen, es soll sich wohl um den Zoll handeln, aber richtig erklären kann mir diese Aktion keiner.


Busstopp mit Proviantkauf

Bei der Grenzstation Burkinas müssen wieder alle aussteigen und die Pässe werden eingesammelt und verschwinden mit dem Polizisten in einer Hütte. Wir warten mit den anderen Fahrgästen unter einem schattenspendenden Mangobaum, nach einer ½ Stunde werden die Pässe durch Aufrufen der Namen wieder verteilt und weiter geht es mit dem Bus.
Nach ca 5 km an der Grenze zu Ghana wieder alle raus und Pässe einsammeln. Wir werden, als logischerweise einzige Weiße, in das Büro des Chefs gebracht. Nach dem Ausfüllen der Einreisekarten beginnt eine Diskussion wegen eines Datums in unseren Visa, aber der Chef deutet an, dass es wohl Möglichkeiten gibt, das zu korrigieren!
Ich schleiche mich zwischendurch raus, um den Dollarvorrat in meiner "Geldkatze" zu kontrollieren und nach dem Bus zu schauen. Der Bus ist nicht mehr da, ich renne über den großen Platz in der Mittagsonne und suche unseren Bus.

Ein Polizist sagt mir, dass wir dann ein Taxi nehmen müssen - und unser Gepäck? Nach einigem Bluthochdruck entdecke ich den Bus beim Zoll und mache dem Fahrer klar, dass wir Ärger haben und er auf uns warten muss und flitze zurück zum Chef der Station.
Iris hat inzwischen die Verhandlungen erfolgreich zu Ende geführt, wir schieben Dollars rüber und er manipuliert seinen Datumsstempel.

In der Hoffnung - das war es - gehen wir zum Bus, um festzustellen, dass das Gepäck ausgeladen und beim Zoll in einem großen Raum liegt. Jeder muss sein Gepäck identifizieren und durchsuchen lassen. Die ganze Grenzzeremonie dauert mind. 2 Stunden und das natürlich in der vollen Mittagssonne.

In Ghana geht es weiter in Richtung Süden. An den Brücken ist jeweils vom Fahrer eine Maut zu entrichten. Ich muss aufpassen, dass mein Kreislauf stabil bleibt. Aber die nötige Flüssigkeitsaufnahme ist schwierig, da es wenig Pinkelpausen gibt. Die Temperaturen im Bus sind während der Fahrt erträglich, da sämtliche Fenster geöffnet sind.
Bei einer Kontrolle, als man uns mal wieder alle aussteigen lässt, kaufen wir kaltes Wasser in Plastiktüten und gießen das Wasser über Kopf und Arme. Die Mitreisenden trinken dieses Wasser, was wir aber lieber lassen, und trinken unser "sehr gut temperiertes" Wasser.
Die Ankunftszeit in Kumasi wird von unseren Mitreisenden zwischen 23.00 und 1.00 Uhr geschätzt.

Als es langsam dunkel wird, überqueren wir den Weißen Volta und der Bus rauscht hupend durch die Dörfer Nordghanas. Ich bin fasziniert, wie meine Mitreisenden solch eine Fahrt ohne sichtbare Leiden bewältigen und beschließe es genau so zu machen, zwischendurch träume ich von einer kalten Dusche und einem weißen Bett!
Bei einem der vielen Kontrollen, als wir mal wieder alle aussteigen müssen, steht ein schwerbewaffnete Soldat, es ist mir unverständlich wie ein einziger Mensch so viel Waffen tragen kann, direkt an der Bustür und mustert jeden Fahrgast beim Aussteigen. Ich schenke ihm ein kurzes Lächeln, aber sein sehr schwarzes mit Schweißperlen versehenes Gesicht bleibt regungslos. Als ich so 2 Meter entfernt bin, kommt ein lautes "STOP BOY"! Ich kann mich nicht erinnern, jemals so schnell stehen geblieben zu sein, drehe mich sofort um und er steht vor mir und will den Inhalt meines Tagesrucksacks sehen, um mir dann ein "GO" zu geben. Wir warten in einem großen Abstand, er durchsucht den Bus und kommt dann erregt auf die wartenden Fahrgäste oder besser auf mich zu, um mich laut zu fragen, ob ich den Sitzplatz mit der Nummer 15 habe. Ich konnte das verneinen.