In Kara

Die Abläufe sind klar, kleiner Rucksack vor die Brust, großer zwischen die Beine und erst mal die Lage beraten. Die Station liegt total im Dunklen, Simon holt erst mal seine Super LED Taschenlampe raus, denn nur durch Autoscheinwerfer gibt es ab und zu ein Licht.
Wir finden ein Auto welches uns zu einem Hotel fahren will. Wir laden unsere Rucksäcke ein und steigen ein. Aber das Auto hat keinen Anlasser, so müssen viele Männer versuchen, die Karre mit der wertvollen Fracht anzuschieben
Da wir zwei Tage in Kara bleiben wollen, suchen wir ein sauberes Hotel. Die erste Besichtigung im Sapaw ergab, dass es sich wohl um ein anderes Hotel handeln muss, denn in den Zimmern, die wohl vorher Ziegenställe waren, hingen große Plakate zur richtigen Benutzung von Kondomen.
Das Taxi muss wieder angeschoben werden und es geht zum nächsten Hotel, keine Zimmer mehr frei. Da spricht mich ein Alter an und fragt, ob wir Zimmer suchen, er kenne ein gutes neues Hotel direkt im Zentrum. Er sucht den Besitzer, das Hotel wird geöffnet und die Zimmer sind sehr gut mit Klimaanlage und alles ganz neu, wir sind die einzigen Gäste.
Ich bitte den Besitzer uns noch drei Flaschen Wasser besorgen zu lassen, die wir auch dringend brauchen. Wir haben uns den ganzen Tag von Karotten und Bananen ernährt, nach kurzem Suchen finden wir das Restaurant Le Chataux zum Abendessen und bestellen afrikanische Pizza und zum Nachtisch flambierte Bananen und genießen dabei das Straßenleben Karas. Ich muss zur Vorspeise noch einen Salat essen, welcher auch noch mit Mayonnaise angemacht ist. Simon droht mir damit, dass er das Gabriele erzählen wird. Er hat Recht, es ist eine Todsünde hier Mayonnaise oder Milchprodukte zu essen. Inklusive der vielen Biere bezahlen wir für die ganze Zeche umgerechnet ca. 13 € und fallen anschließend halbtot ins Bett.
Ich überlege mir noch einen Notfallplan, falls die Mayonnaise wirklich schlecht war.

Politische Situation in Togo
Die Situation ist wohl momentan als eine - unterdrückte- stabile Situation zu bezeichnen.
Im Jahre 1992 gab es einen Generalstreik um einen Demokratieprozess vom Präsidenten zu erzwingen. Dieser Streik dauerte mehrere Wochen und wurde mit militärischer Gewalt niedergeschossen. Friedensgespräche unter der ehemaligen Kolonialmacht Frankreichs wurden 1993 erfolglos abgebrochen. Danach sollten neue Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der als Wahlbeobachter angereiste Jimmy Carter reiste am Vorabend der Wahlen wieder ab, weil keine fairen Wahlen zu erwarten waren. Es wurden 15 Oppositionsanhänger in Polizeigewahrsam genommen. Ungeklärt ist, ob sie -wie die Regierung behauptet- durch Anhänger vergiftet ums Leben gekommen sind oder es sich um Todesfälle durch Ersticken handelte.
Aus den Wahlen ging dann, wie auch 1998, Eyadema als "Sieger" hervor!

Von irgendwoher wird uns ein Frühstück gebracht, es gibt Café au lait mit Omelett und Baguette.
Den Café trinken wir vorsichtshalber ohne Lait und Simon entdeckt einen Geier und sagt, dass er leichten Durchfall hat. Wir machen ihm klar, dass der Geier sehr viel Geduld haben kann!

Straße in Kara

Den Tag wollen wir mit Wäsche waschen, Kara kennen lernen und Relaxen verbringen.
Ich schreibe mein Tagebuch und le Vieux (der Alte) von gestern Abend besucht mich, um zu fragen, ob das Hotel i.o. sei. Wir Alten unterhalten uns, ich erfahre etwas über seine Familie und Kara. Er hat zwei Frauen und 11 Kinder, davon arbeiten drei in Lome, vier sind verheiratet in der Umgebung von Kara und vier sind noch in seinem Hof und alle haben die Schule besucht.
Wir stellen dann fest, dass wir beide die Alten sind, obwohl ich es ja nur zu einer Frau gebracht habe.
Da wir uns jetzt in der Region befinden, aus die der Präsident (Diktator) herkommt, versuche ich die politische Gesinnung meines Gesprächspartners zu hinterfragen. Aber als er mir erzählt, dass er 25 Jahre beim Militär als Offizier war und Eyadema ein großer Präsident sei, trete ich den Rückzug an. Ich freue mich aber, dass meine Kenntnisse der französischen Sprache wieder reaktiviert werden.
Bei einer Schneiderin am Markt lässt sich Simon die Taschen seiner Hose vom Strand mit Reißverschlüssen versehen. Daraufhin beschließt er seine restlichen Hosen aus dem Hotel zu holen, um diese ebenfalls noch mit Reißverschlüssen versehen zu lassen. Iris und ich warten in einer Bufett und wundern uns, wie schnell er wieder da ist. Er "gesteht" uns, dass er ein Mopedtaxi genommen hat. Simon ist afrikatauglich! Zum Mittagessen gibt es dann reichlich von den auf dem Markt erworbenen Mangos, Papayas und Avocados.

Das Land der Moba
Der Nordwesten Togos ab Kara ist der Beginn der Trockensavanne und das Land der Moba.
Die Moba leben überwiegend vom Feldbau und die Frauen vom Kleinhandel auf dem Markt. Die Gehöfte der Moba liegen in einiger Entfernung voneinander, so dass es wenig Dörfer gibt. Die alte Sozialstruktur und das trationelle Häuptlingstum sind bis heute erhalten geblieben. Der Respekt vor dem Häuptling und den Ältesten des Dorfes ist nach wie vor ungebrochen. Der Überlieferung der Clans zufolge sind ihre Ahnen entweder aus der Erde gekommen oder an einer Schnur vom Himmel herabgestiegen. Nach dem Glauben der Moba hat jeder Mensch einen persönlichen Yendu (Himmels- und Schöpfergott), durch den das Schicksal vorbestimmt ist.

Beim Abendgespräch mit dem Vieux erfahre ich, dass es bei dieser Wolkendecke, die sich immer nachmittags bildet, in 2-3 Tagen regnen wird, die eigentliche Regenzeit aber erst im Juni mit 2-3 Niederschlägen pro Woche kommen wird. Der Muezzin ruft, wir essen unsere letzten Avocados, so brauchen wir keine Vorspeise mehr im Restaurant.