In Lome

Mit der Einreise nach Togo wechseln Sprache und Währung. Als wir im Seemannsheim ankommen, muss ich Simon und Iris gestehen, dass ich auch nur noch 4000 CFA habe!
Im Seemannsheim erkundigen wir uns nach den Möglichkeiten, von Lome aus weiter in Richtung Norden zu kommen, und erfahren, dass es in Togo keine Busse sondern nur Buschtaxis (Sammeltaxi) gibt und diese vom Gare Routiere abfahren. Wir fahren mit dem Taxi dorthin, um zu erfahren, wo das ist. Der Gare liegt ca. 10 km außerhalb und ist ein typischer Buschtaxibahnhof. Wir lassen uns wieder zurückfahren, um in einer Bank noch Travellerschecks zu tauschen, um anschließend in das Marktleben Lomes einzutauchen.
Ich bewundere Simon, wie sicher und trotzdem angepasst er sich unter den Hunderten von dichtgedrängten Menschen bewegt. Wir setzen uns an den Rand des Marktes und beobachten bei einer Cola das Treiben der Menschen. Simon entdeckt, dass es Mopedtaxis gibt, welche hupend umherfahren, bis ein Fahrgast ein Zeichen gibt.
Zum Abendessen wollen wir vom Seemannsheim mit dem Taxi in die City fahren (3km). Noch als ich den Fahrpreis versuche auszuhandeln, hält eine Mama Benz an und bittet uns bei ihr einzusteigen. Der Taxifahrer versucht sich zu beschweren, was aber in einem Schimpfgewitter von "unserer" Mama Benz an den Taxifahrer
endet. Sie fährt uns mit dem dicken Mercedes in die Nähe des Marktes und wünscht uns zum Abschied ein bonne soire.
("Mama Benz" sind füllige wortgewaltige Marktfrauen, die es zu einem bescheidenen Reichtum gebracht haben und diesen mit einem Daimler zeigen.)
Im Seemannsheim trinke ich dann noch drei Pression (Bier vom Fass) und spüre den ersten Harndrang des Tages.
Simon und Iris sind schon ins Bett gegangen und ein südafrikanischer Seemann erzählt mir, dass er morgen nach Hause fliegt und trotzdem sauer ist, weil er zuerst nach Paris fliegt, mit einem Tag Aufenthalt dann nach Johannesburg. Seine Reederei will es so. Armer Kerl!
Bei der abendlichen Dusche bemerke ich, dass es nur einen Drehknopf gibt, reicht auch, es gibt immer warmes Wasser. Mit mir im Zimmer übernachtet ein junger Gecko.

Nach Kara
Nach einem französischen Frühstück verabschieden wir uns von Heike (Boss vom Seemannsheim) und sie wünscht uns ein Bon Voyage.
Am Gare Routiere Agbalefedo erwartet uns das Chaos. Aus unserem Taxi raus sichert jeder erst mal sein Gepäck. Mindestens 40 schwarze Köpfe schreien auf mich ein, um mir klar zu machen, wo wir jetzt hinzugehen haben. Ich verstehe das "System" noch nicht, Iris und Simon halten sich etwas abseits auf, weil man mich
(der Alte) wohl als Führer unserer Gruppe ausgewählt hat.

Vor dem Seemannsheim in Lome (Abreise)
Ich muss jetzt versuchen die Situation in den Griff zu bekommen und gebe zu verstehen, dass ich erst etwas sage, wenn die vielen Köpfe aufhören auf mich einzuschreien. Damit gewinne ich zwei Minuten, bis sich die Menge etwas beruhigt hat. Ich suche mir einen schlanken Typen mit einem Fußballtrikot und Nummer 10 aus und gebe der Masse zu verstehen, dass ich mir zuerst sein Buschtaxi ansehen werde. Tendenziös war das wohl die richtige Entscheidung, da die große Masse das gut fand, und wir bewegten uns zum Taxi. Das Auto war den Umständen entsprechend i.o. Ich handele den Preis unter der Bedingung aus, dass wir die zwei Plätze neben dem Fahrer bekommen. Nun soll mein Rucksack auf den Dachständer gehoben werden und die unterlegenen Parteien merken, dass das Geschäft zustande gekommen ist, und ein Aufschrei entsteht. Mindestens sechs Leute und ich zerren an meinem Rucksack in alle Richtungen und die Riemen erweisen sich als absolut reißfest. In den Augen des Hauptwidersachers entdecke ich eine gewisse Aggressivität. Die Masse versucht ihn zu beruhigen und als er etwas ruhiger wird, mache ich ihm klar, dass wenn ich wiederkomme, ich ganz bestimmt mit ihm fahren werde, und beginne mit den Händen über meinem Kopf zu klatschen und alle klatschen mit und freuen sich. Afrikaner lachen und freuen sich sehr gerne besonders in einer Gemeinschaft.
Unsere Rucksäcke werden aufgeladen.
In dieser Situation hat mir sicherlich meine "Erfahrung" mit Afrikanern sehr geholfen.
Nach ca. 2 Stunden Warten, bis alle Plätze verkauft sind, geht es los. Simon und Iris nehmen vorne Platz und ich sitze auf einer Bank in der dritten Reihe neben zwei Muttis mit Babys. Aber erst mal geht es zum Tanken, während des Tankens macht man mir klar, dass die ankommende Madam noch neben mir zum Sitzen kommt. Als sie sich setzt, ist für mich keine Sitzfläche mehr sichtbar. Also schiebe ich mit meinem linken harten Hüftgelenk ihre weiche füllige rechte Fett- und Fleischmasse zusammen, so dass ich mit einer Arschbacke sitzen kann. Jedoch muss ich den Gegendruck stetig aufrecht erhalten.
Jetzt geht es los, aus Lome raus, nach ca. 5 Polizeikontrollen, die der Fahrer idR finanziell regelt, geht es in Richtung Norden. Aber wir sind in Afrika, nach einer ½ Stunde Fahrt, fängt der Motor an zu stottern und der vollgepackte Wagen stottert noch einige hundert Meter, bis er stehen bleibt.
Irgendetwas wird am Vergaser gereinigt und dann geht es wieder 300 Meter und wir stehen wieder. Die Meinung der Fahrgäste zu allem Übel ist, dass es sich wohl um schlechtes Benzin, Sand oder Wasser handeln müsse. Der Fahrer hat die Situation aber im Griff und nach mehreren Reinigungsaktionen fährt das Auto wieder.

Die Durchblutung meiner "Sitzfläche" ist teilweise unterbrochen und durch stetiges Anheben bei Beibehaltung des Gegendruckes zu meiner Nachbarin sorge ich für eine Reaktivierung der Durchblutung. Und meine Nachbarin hat daran ein sichtliches Vergnügen.
Es herrscht eine lockere freundliche Stimmung unter den 21 Fahrgästen und zwei Babys. Ich weiß jetzt schon, das ich heute Abend Bepanthen Salbe benötige.
Bei einem Stopp, bei dem stetig Proviant an der Strasse angeboten wird, ist Simon dran hinten zu sitzen. Ich komme mir vorne vor wie in einem riesigen Mercedes und genieße das Sitzpolster.

Wir fahren ab Sokode durch eine felsige Gebirgsregion bis nach Kara. Uns fällt es jetzt ganz besonders auf, dass sehr viele verunfallte LKWs an der Strasse liegen, teilweise wohl erst heute passiert.


Buschtaxistation in Lome

Simon gibt aber bald von hinten zu verstehen das er für einen ganzen Platz bezahlt hat, so wechseln wir nach ca. 1 ½ Stunden die Plätze und ich gehe wieder zu meiner "weichen" Mutti. Iris wird noch geschont da sie noch unter den Nachwehen einer Erkältung leidet.


Autopanne zwischen Lome und Kara

In Sokode werden die Leiden geringer, denn meine Nachbarin steigt aus.
Die Strecke ist eine Transitroute nach Burkina, Mali und Niger vom Hafen Lome aus.
Ich nehme mir fest vor, auf eine Mitfahrgelegenheit oben auf einer LKW Ladung zu verzichten.
Dabei fällt mir ein, dass mein Chef, als er erfuhr was ich vorhatte, mich gebeten hat, vorher meine eigene Stellenbeschreibung zu hinterlassen.
Es wird langsam dunkel und es tritt das ein, was wir eigentlich verhindern wollten, irgendwo im Dunkeln anzukommen. Nach 7 Stunden Buschtaxi kommen wir im dunklen Kara an.